Frisch und regional: Freiland-Ingwer aus Niederbayern | Schwaben & Altbayern | Doku | BR

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Ingwer, frisch im Laden. Und sogar regional. Aber erstmal von vorne. Daniel Eibl war mal Industriemechaniker, aber
Gemüse hat‘s ihm angetan. Deshalb hat er seinen Meister als Gemüsegärtner
gemacht. Die Familie besitzt einen Hof und Land in
Geisenhausen bei Landshut. Die Äcker sind eigentlich schon lang verpachtet,
aber auf rund 1.000 Quadratmeter hat Daniel ein Projekt gestartet: Freilandanbau von Ingwer. Die Inspiration dazu kam von einem Lehrer
aus der Meisterschule. „Dadurch, dass der Lehrer direkten Zugang
dazu hat, hat er uns Schülern erklärt, wie das funktioniert. Und dass das eine sehr vielversprechende Kultur
ist, weil es auch eine beliebte Pflanze ist und dass der Markt für deutschen Ingwer noch
lange nicht gesättigt ist. Und das war quasi die Zündung für das Projekt,
dass ich das Wissen aus der Meisterschule mitgekriegt habe. Aber ich denke, dass ich der Erste bin, der
in dem Umfang Bio-Ingwer im Freiland anbaut. Falls sich jemand beschwert über die Aussage,
dann weiß ich, dass ich nicht der Einzige war.“ Ingwer – die Heilpflanze des Jahres 2018. Schon seit Jahrhunderten sind die Wirkungen
seiner Knolle bekannt. Sie hilft gegen Entzündungen, Erkältungen,
Schmerzen und Übelkeit. Meistens wird Ingwer in Südostasien angebaut. Ob das auch im bayerischen Klima funktioniert? „Normalerweise spricht man von einer Kulturzeit
von neun Monaten. Da das eine tropische Pflanze ist, die 25
Grad am liebsten hat und eine hohe Luftfeuchtigkeit, ist das bei uns im Freiland komplett nicht
möglich. Das bayerische Klima ist sehr unterschiedlich. Natürlich in der Nähe von Flüssen hat man
immer so einen Puffer, also im Winter wird es in der Nähe von einem Fluss nicht so kalt,
im Sommer nicht so heiß. Da ist das Klima gleichmäßiger. Ich probiere trotzdem, das zu simulieren.“ Für das Ziehen der Jungpflanzen hat er sich
peruanischen Ingwer besorgt. Damit der auch neue Sprossen entwickelt, muss
er es warm haben. Daniel und sein Vater haben deshalb im März
einen Keimraum gebaut. „Das waren die Kisten, in denen ich die
Jungpflanzen angezogen hab. Die Kisten mit Substrat befüllt gekriegt. Das habe ich dann noch mit dem Brett angedrückt,
dass das überall geleichmäßig dicht verteilt ist. Und dann mit dem Holzbrett Markierungen gemacht,
wo ich überall Ingwer setzen muss. Der Keimraum war halt doch nur zusammengeschustert,
deshalb war da drin zu wenig Luftumwälzung und das hat dem Substrat nicht getaugt. Da haben sich dann Sporen gebildet auf dem
Myzel, nichts Bösartiges für den Ingwer, aber ist doch ein Zeichen, dass das drinnen
doch ideale Bedingungen für Pilze sind. Dann habe ich ihn möglichst schnell ins Gewächshaus
reingestellt, weil durch das Licht die Pilze im Wachstum gehemmt werden. Ich hoffe im nächsten Jahr einen Gärtner
zu finden, der mit mir zusammenarbeiten will und beheizbare Gewächshäuser hat, und meine
Jungpflanzen zieht.“ Ohne seine Familie hätte Daniel Eibl das
Projekt „Ingwer“ nicht stemmen können. Der Großvater hat ihn finanziell unterstützt,
Schwester Bettina hat neben ihrer Arbeit die Jungpflanzen mit ihm aufgezogen. „Ich habe mir dazwischen einmal echt Sorgen
gemacht um Daniel, weil er wirklich überhaupt nichts anderes mehr gedacht hat, wie Ingwer,
Ingwer, Ingwer. In der ganzen Planungsphase, wo das alles
entstanden ist, das war glaube ich eine richtig stressige Zeit. Das war stressiger als die ganze Ernte und
alles. Er war da emotional so drin, dass ich mir
echt zwischendurch Gedanken gemacht habe, ob es das richtige für ihn ist.“ Im Mai begann die kritische Phase: Die Ingwerpflanzen
kamen auf den Acker. Da es dem Ingwer hierzulande doch etwas zu
frisch ist, hat Daniel Eibl eine leichte Überdachung gebaut. „Zwischendurch hat es echt so ausgeschaut,
als gehe das ganze Projekt in die Hose. Ich habe ja am Anfang eine Lochfolie drüber
gehabt und die hat der Wind weggeweht. Wir hatten einen Sturm mit sehr starken Böen. Mir war nicht bewusst, dass der Ingwer auch
ohne Mütze quasi zurechtkommt. Da er so klein war und so gelbe Stellen hatte. Da habe ich mir gedacht, wenn ich da jetzt
nochmal eine Folie draufmache und dann weht es mir die wieder weg, dann habe ich noch
mehr Ware eingesetzt und hole deswegen vielleicht vielleicht auch nichts runter. Und dann habe ich das einfach mal gelassen. Das war die richtige Entscheidung, es der
Natur zu überlassen.“ Anscheinend ist der Ingwer robuster als erwartet. Für das erste Anbaujahr sind alle recht zufrieden
mit dem niederbayerischen Ingwer. „Es gibt noch Verbesserungsmöglichkeiten
und das macht er, dann wird das auch. Er zahlt nicht drauf, das ist das allerwichtigste,
dass er nicht mit Verlusten arbeitet.“ Wenn Daniel Eibl alleine erntet, holt er zehn
Kilo Ingwer in etwa anderthalb Stunden aus der Erde. Heute geht das alles etwas schneller. Noch auf dem Acker, werden die Knollen grob
saubergemacht. „Den kann ich ganz leicht wegbrechen, den
Alten. Das ist der Punkt, wo die Verbindung war zum
bayerischen Ingwer. Da hat er die erste Energie, die er braucht
für den ersten Spross nimmt er aus dem Rizom vom Ingwer, den ich eingesteckt habe, aus
Peru. Dann muss ich die Wurzeln wegbrechen, aus
denen der bayerische Ingwer seine Nährstoffe herbekommt. Wenn es jetzt so ein Stück ist, wie das da,
dann ist es fast schon schade. Aber damit ich den Ingwer ordentlich waschen
kann, muss ich den nochmal trennen voneinander, weil ich sonst in die Zwischenräume nicht
mit Wasser komme. Welchen Gesetzen der Ingwer da folgt, in welche
Richtung er wächst, habe ich keine Ahnung. Welche Strukturen der manchmal annimmt. Das ist echt spannend. Manchmal schaut es aus wie ein Hirschgeweih. Das ist auf jeden Fall schön, das auszupacken
und zu sehen, was für Skulpturen da rauskommen.“ Ungefähr 500 bis 600 Kilo Ingwer wird er
dieses Jahr ernten können. Davon leben kann Daniel Eibl noch nicht, halbtags
arbeitet er als Gärtner. Aber er ist davon überzeugt, dass sich das
in den nächsten Jahren ändert, denn sein Ingwer habe durch die Regionalität und kurzen
Wege einen großen Vorteil. „Das ist der Reiz an meinem Ingwer. Das ist frischer Ingwer, kein getrockneter
Ingwer, so wie der den ich aus Peru gekauft habe. Sondern bei mir habe ich keine Haut, die ich
runterschälen muss. Und eigentlich kann ich den sofort verwenden.“ Und wie schmeckt er denn jetzt, der niederbayerische
Ingwer? Helfer Leo macht den Test. „Schmeckt gut. Nicht zu scharf, überhaupt nicht. Mild, ja. Von der Konsistenz ist er nicht so faserig.“ „Man kann ihn essen, wenn man reinbeißt. „Ouh, aber das ältere ist schärfer, ich
habe jetzt einen jungen Trieb erwischt. Ouh, wow.“ „Ja man kann eine ganze Knolle essen, wenn
man hart ist.“ Und auch wenn Knollen zu klein sind, werden
sie noch verwertet. „Da habe ich jemanden aus München, der
macht selber Schnaps draus. Das tue ich auf die Seite und wenn ich zehn
Kilo zusammen habe, dann rufe ich ihn an, den Herrn. Und der kommt dann vorbei und holt sich das
ab.“ Für 13 Euro pro Kilo verkauft Daniel Eibl
den Ingwer weiter. Den größten Teil liefert er an einen Bio-Großhändler
in München, eine kleinere Menge wird beim lokalen Bioladen verkauft. Hier kommen sie gar nicht hinterher mit dem
Auffüllen vom niederbayerischen Ingwer.

38 comments on “Frisch und regional: Freiland-Ingwer aus Niederbayern | Schwaben & Altbayern | Doku | BR

  1. Wahnsinns Einsatz !!
    Alles, alles Gute & viel Erfolg mit deinem Projekt.
    So viele Engagement & Herzblut
    Toitoitoi 🍀

  2. Ich glaube das gerne, dass du der Erste bist, aber ich weiss auch, dass im Burgenland erfolgreich Ingwer angebaut wird. Bitte, arbeitet zusammen, weil Ingwer ist sehr wichtig.

  3. Wenn er das effizienter macht und größere Mengen anbaut, dann rockt er den Markt. Bei 30 Euro pro Kilo bleibt dieser Ingwer ein Nischenprodukt. Trotzdem finde ich gut, dass er was probiert. Diese Menschen brauchen wir mehr davon

  4. Na das ist doch jetzt mal eine Überraschung! Endlich baut jemand Ingwer im großen Stil an. Mild schmeckt er, da er noch nicht ganz ausgereift ist. Ein paar Monate mehr wären förderlich. Ich greife übrigens auch auf den Ingwer aus Peru (in Bio Qualität) zurück, wenn es um die Anzucht geht. Ganz viel Erfolg euch mit dem Projekt!

  5. Ganz tolles Projekt, ich wünsche viel Erfolg für die Zukunft. Ich bin mir sehr sicher, dass er Erfolg haben wird, da regionales Gemüse einfach die Zukunft ist.

  6. Ökologisch sinnvoll ist es vermutlich nicht weil die klimatischen Bedingungen hierzulande für die Kultur einfach nicht passen und immer "trockener" Ingwer gekauft werden muss, die Ernte in Handarbeit geschieht und nur kleine Mengen vermarktet werden, Transport mit dem Auto ist pro Kilo vermutlich energieaufwändiger als im Laster/Schiff, besonders da ja trotzdem noch Ingwer aus Peru vorher gekauft werden muss, weil die Pflanze eben eine zu lange Vegetationszeit fürs Deutsche Freiland hat.
    Der Preis ist bei dem aufwendigen Anbau aber angemessen, reich werden tun sie dadurch nicht. Wer mal so frischen heimischen Ingwer Essen will kann auch einfach selbst auf der Fensterbank eine Ingwerknolle in einen Blumentopf tun und 9 Monate warten, macht meine Patentante seit 20 Jahren und funktioniert.

  7. Eeeendlich.
    Tut euch alle zusammen, die Ingwer anbauen.
    Erfahrungsaustausch dazu sind wichtig.
    Schön, freut mich echt riesig.

  8. Ein zweites Standbein könnte auch Kurkuma sein. Ist ja die Schwester Pflanze von Ingwer. Habe ich noch nie einen aus Deutschland gefunden

  9. Tolles Projekt Respekt bin mir sicher das Duchhalten sich auf Dauer sehr lohnen wird jedes Jahr wird besser werden
    Ich würde die Erde mit reichlich Pflanzenkohle anreichern (Terra Preta wie bei den Inkas) weil sie durch die dunkle Oberfläche viel mehr Wärme aus der Sonne aufnimmt.
    Rund um das Feld eine schnellwachsende niedrige Dichte Hecke hilft den Wind zu bremsen und die Wärme zu halten

  10. Na Gottseidank baut jemand Ingwer hier an. Ich denk an Dich, wünsch Dir viel Erfolg und würde natürlich Deinen Ingwer kaufen!

  11. Wow, klasse Idee.
    Das glaub ich denen auf´s Wort, dass die mit dem Nachfüllen der Theke nicht hinterher kommen 😀

  12. Pflanze des Jahres 2018😂
    In Afrika und Asien seit tausenden Jahren verwendet.

    Tip: Ingwer, Nelken, Zimt und Kardamom in Wasser kochen. Dann Schwarztee dazu und dann mit Milch genießen.

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